Martin Born
Carsten:
Am Dienstag freute sich Carsten sehr, dass die Feiertage endlich vorbei waren und er wollte nun endlich ĂŒber seinen Schatten springen und die vielbeschĂ€ftigte Dame einmal einladen.
Doch da waren sie wieder, diese Zweifel und Bremsgedanken in seinem Kopf.
Was, wenn sie ihn fĂŒr aufdringlich halten wĂŒrde? Womit könnte er sie begeistern? Mag sie lieber die asiatische KĂŒche oder etwas Rustikales?
Carsten verstrickte sich immer weiter in sein Gedankenwirrwarr und als er dir Wolke 7 erreichte, war sein zuvor gefasster Mut schon wieder auf ein Minimum zusammengesackt.
In der Wolke brannte schon das Licht und Carsten fragte sich, ob seine Chefin es wohl gestern mal wieder versĂ€umt hat, den Lichtschalter zu betĂ€tigen. Die TĂŒre war auch schon offen und aus dem Kiosk drang laute Musik. Eine seltsam schrill kreischende Stimme schallte unter der Theke hervor.
Es war Angelina, die den Songtext nicht gerade synchron zur CD aus voller Brust mit schmetterte, wÀhrend sie die unteren SchrÀnke abwusch und im Takt zur Musik den Putzlappen schwang.
Sie erschrak als sie sich zu Carsten umdrehte, der sich ein herzhaftes Lachen mit aller Macht verkniff. âHuch! Carsten… hab ich etwa vergessen die TĂŒre hinter mir abzuschlieĂen?â stutzte sie
âDienstag ist hier immer GroĂreinemachen. Aber da musst du dich nicht drum kĂŒmmern.â lĂ€chelte sie ihn leicht verlegen an. âAber bitte verrate keinem von meiner kleinen frĂŒhmorgendlichen Rockshow!â
âIch habe nichts gesehen und erst recht nichts gehört.â beteuerte Carsten und beide verfielen nun gemeinsam in ein nicht enden wollendes GelĂ€chter.
âIch bin gleich soweit, dann hast du den Laden fĂŒr dich alleine. Ich muss noch schnell zu meinem Therapeuten. Irgendwie muss ich meine Idiotie ja mal in den Griff kriegen.â lachte Angelina und Carsten amĂŒsierte sich darĂŒber ohne zu wissen, wie ernst diese Angelegenheit tatsĂ€chlich war.
Irgendwie machte diese Art von Selbstironie seine Chefin sympathisch, fand er.
Er merkte,wie seine Laune sich durch diese Situation deutlich besserte und dass es nicht immer schlecht lief, wenn sich irgendwer zum Deppen machte. Das gab ihm neuen Mut fĂŒr sein Vorhaben. Eigentlich konnte doch gar nichts schief gehen…
Norbert Josef Potthoff
Max Weber:
Sie blieb undurchsichtig, diese Angelina. Meinen vorsichtigen AnnĂ€herungsversuchen wich sie geschickt aus, verstand es aber immer wieder, erotische Gesten in ihr Essen und Trinken einzubauen. Allein, wie sie ihr Weinglas hob, mit Kennermine den edlen Tropfen in sich hinein laufen lieĂ, mit der Zungenspitze auch den kleinsten Tropfen von ihren feuchten Lippen leckte, das war groĂe VerfĂŒhrungstheatralik. Beim Nachtisch löffelte sie jedes Löffelchen Eis mit einem kaum zu ĂŒberhörenden Seufzen und genussvoll, halb geschlossene Augen.
Ich schob ihr vorsichtshalber meine Visitenkarte ĂŒber den Tisch, die aus Honduras, auf der ich als Generalkonsul des Staates ausgewiesen war. Huldvoll warf sie einen Blick darauf und schob die Karte lĂ€ssig in ihren Ausschnitt.
âInteressantâ, sagte sie nur.
LĂ€ssig winkte sie dann der Kellnerin, erhob sich hĂŒftschwingend vom Stuhl.
âDer Herr ĂŒbernimmt dann meine Rechnungâ, sagte sie sĂŒffisant, nickte mir zu, ergriff ihre Jacke und stolzierte, ohne mich eines weiteren Blickes zu wĂŒrdigen, zum Ausgang. Erst an der TĂŒr drehte sie sich noch einmal kurz zu mir, hob flĂŒchtig die Hand zum GruĂ und war verschwunden.
Meiner Treu, das hatte ich lange nicht erlebt, eigentlich noch nie, dass mich auf diese Art und Weise eine Frau abzockte. Na gut, ich wusste, wo ich sie zu finden hatte, um ihr eine Lektion nach meiner Art zu erteilen.
NatĂŒrlich zahlte ich die Rechnung, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Kellnerin hatte einen netten Hintern und ich gab ihr ein gutes Trinkgeld. Wann sie denn Feierabend hĂ€tte, fragte ich noch und holte mir die nĂ€chste Abfuhr.
âUm Acht,”sagte sie lĂ€chelnd, “aber dann holt mich meine Frau zum Tanzen ab.â
Merde!
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